Mit seinem jüngsten Gedichtband »mundfauler staub« leitet Rautenberg, so scheint es, eine neue Werkphase ein. Zwar findet sich auch in ihm das wortartistische, bisweilen komische Spiel mit unterschiedlichen Versatzstücken des modernen Alltagslebens. Vieles darin ist aber getragen von einem sehr viel dunkleren Grundton. Ob Rautenberg in seinen Gedichten über die Liebe in Zeiten des Internets nachdenkt (»skype ist nicht das gleiche«), über onlinevernetzten Kapitalismus (»am rechner verfolgst du den klick nach mehr geld«) oder sich mit »ner kettensäge« ins »teletubby-land« aufmacht, »wo alles zweimal zerschnitten wird / zerspringt« all diese Schilderungen sind vor dem Hintergrund einer apokalyptischen Weltsicht zu lesen. Die überdrehte Gegenwartskultur, die Rautenberg in immer neuen Konstellationen eher agressiv als larmoyant umreißt, scheint ausweglos am Abgrund zu stehen. Mit Blick auf das anstehende Weltende stellt sich die Frage nach der Zeitlichkeit des Daseins mit anderer, neuer Brisanz.
Kai Sina, FAZ
Die Gedichte in diesem Band sind federleicht und filigran, voll kindlicher Weltlust, voll Lust am Sprachspiel, voll Überraschungskunst und Schreck des Älterwerdens. Nur eines sind sie nie: pathetisch und depressiv. Wo andere schon die große Welt in ein kleines Poem zu quetschen versuchten, scheint Rautenberg zu sagen: Was ist die große Welt denn anderes als die Summe von Momenten und Einzeldingen?
Thomas Lang, Münchner Feuilleton
Es gibt Gedichtbände, die machen einen glücklich, andere, die den Leser ratlos zurücklassen und solche, die herausfordern, weil sie längst nicht so einfach sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen, oder nicht so schwer. "mundfauler staub" von Arne Rautenberg gehört zu dieser Sorte Gedichtbände, der außerdem durch seine Vielfalt besticht. Hier gibt es Lautgedichte und visuelle Gedichte, Witziges, einfach Gereimtes und Tiefgründiges.
Elke Engelhardt, fixpoetry
Ja, Mundmumien sind die Gedichte Rautenbergs keineswegs. Sie sind vielmehr die Kampfansage an die Mundmumien. Und sind der gelungene Versuch, ernsthafte und formal bestrickende Lyrik über düstere Themen zu schreiben, weil Rautenberg drei Gefahren sicher umschifft: erstens die Gefahr, der Düsternis selbst vollends zu erliegen, zweitens die Gefahr, zu kryptisch zu sein und nicht mehr ver-standen zu werden und drittens umschifft er die Gefahr, zu schlicht und einfältig oder gar naiv bekennerhaft daherzukommen. Indem Rautenberg diese Gefahren souverän und nicht ohne Anmut umschifft, erweist er sich als Lyriker von Format, dessen Gedichte, wenn es so etwas wie Gerechtigkeit in der literarischen Welt gibt, Bestand haben müssten denn sein neuer Gedichtband enthält alles andere als mundfaulen Staub!
Christopher Ecker, Saarländischer Rundfunk
Arne Rautenberg schlägt in seinem neuen Gedichtband »mundfauler staub« einen derart heiter schwarzseherischen Ton an, das einem die Knie schlottern und die Gesichtszüge entgleisen und zwar aus Freude darüber, dass da jemand sein Handwerk versteht.
Alexander Müller, ROLLING STONE
Kein Zweifel: »mundfauler staub«, die jüngste Gedichtsammlung von Arne Rautenberg, trägt abgründige Züge aber sie verdeutlicht erneut, wie artistisch der Umgang des vielseitigen Autors mit der Wirklichkeit ist und welche Leichtigkeit sich selbst dann erzielen lässt, wenn unangenehme Themen wie Moorleichen oder die Reaktorkatastrophe von Fukushima abgehandelt werden.
Kai U. Jürgens, Kieler Nachrichten